Digitalisierung von Branchen - welche schlummernden Benefits gibt es noch in Ihrer Branche?

Als Kompass für die gesamte weitere Digitalisierung dient der Benefit für die Firma und den Kunden. Kein Benefit - keine weitere Digitalisierung. Die möglichen Benefits sind in vielen Fällen sehr Branchen spezifisch. Aber es gibt auch eine Reihe von Branchen übergreifenden Benefits. Jede Branche muß hinsichtlich "schlummernder" Benefits analysiert werden. Ist solch ein Benefit gefunden, muß geprüft werden, mit welchem bestehendem, erweitertem oder neuem Digitalisierung-Tool dieser Benefit realisiert werden kann.

 

Unter Komplexität war bereits diese Übersicht zu finden:

 

 

Damit Sie etwas einfacher die Analyse Ihrer Branche starten können, haben wir möglichst viele Benefits aus den unterschiedlichsten Branchen möglichst anschaulich anhand von Beispielen aufgezeigt. Dabei müssen die Benefits nicht wirklich neu sein. Manchmal erleben sie ein "Revival", manchmal werden sie nur mit einer neuen Technologie kombiniert oder manchmal finden sie nur Einzug in eine neue Branche.

 

Eine Reihe bewährter Benefits lassen sich sehr gut am Beispiel von amazon verdeutlichen: Exchange of Experiences wurde mit den Produkt-Rezessionen von anderen Käufern sehr gut umgesetzt und von vielen Nutzern intensiv genutzt. Im stationären Handel gibt es das so nicht. Dort gibt es nur die mehr oder weniger nützliche Empfehlung des Verkäufers, die sicherlich nicht immer frei von Eigeninteressen ist.

De-Timing: Zeit - in diesem Fall die Öffnungszeit - spielt keine Rolle. Man kann einkaufen wann immer man will. Und mehr noch: Mit der Amazon Prime Now App liefert amazon innerhalb von einer Stunde in ausgewählten Metropolen die Ware aus. Natürlich kann der Kunde jederzeit verfolgen wo sich die Ware gerade befindet. Und das alles für einen geringen "Expresszuschlag". De-Distancing: Die Entfernung - in diesem Fall zum Geschäft - spielt ebenfalls keine Rolle. Man kauft zuhause ein. Cost reduction: Da amazon keinen eigenen Laden benötigt, reduzieren sich dadurch die Betriebskosten im Vergleich zu einem Laden - z.B. in der Münchner Fußgängerzone - erheblich. Diesen Kostenvorteil kann amazon natürlich auch an die Kunden weitergeben. Somit kaufen viele bei amazon auch günstiger ein als beim Händler vor Ort. All from one: Gestartet ist amazon als digitaler Buchhändler. Inzwischen kann man fast alles an Non-Food Produkten für den täglichen Bedarf bei amazon erhalten. Erste Tests mit Food-Angeboten gibt es auch bereits. Egal was ich suche - ich suche es erst einmal bei amazon. Schon alleine wegen den Produkt-Rezessionen. Aber auch wegen des sehr großen Produktangebotes. Und damit sind wir auch schon bei den User Experiences: Als langjähriger amazon Kunde ist für mich die User Experience aufgrund der aufgezeigten Benefits deutlich besser als beim stationären Handel. Und wenn man mal mit einem Produkt nicht zufrieden ist, tauscht amazon es anstandslos um. Digitalisierung wie diese ist für mich sehr nützlich - zumal ich im ländlichen Raum mit reduziertem Warenangebot lebe.

 

Für die Schnäppchenjäger ist das Benefit Bargain Buy (Schnäppchen) sehr wichtig. Bei denen findet man sicherlich auch die eBay App auf dem Smartphone. Im engen Zusammenhang stehen auch die Market Places Anwendungen von privaten Anbietern von Transportleistungen wie z.B. Uber oder von privaten Vermietungen wie z.B. Airbnb. Im Vergleich zu regulären Taxifahrten oder Hotelzimmern erhält man die Leistungen für ein deutlich reduziertes Entgeld - wenn auch evtl. mit reduzierten Standards wie z.B. für Sicherheit (TÜV) und Hygiene .

 

Die wichtigsten Assistance Benefits finden sich auf der Startseite meines Smartphones: Terminplaner, Kontakte, e-Mail, Whats App, Dictionary, Memo, Rechner, Galerie, Kamera, Navi und ganz wichtig die Wetter App mit Regenradar. Bei anderen Smartphones werden sicherlich noch verstärkt Gaming und Entertainment Benefits zu finden sein mit Spielen, Musik und Videos. Virtualization wird in diesem Zusammenhang als zusätzlichen Benefit immer bedeutender. Bekanntes Beispiel sind die Virtual Reality Brillen. Mit ihnen bewegt man sich in einem virtuellen Raum.

 

Eines der ersten Internet of Things Produkte (mit integriertem Bluetooth Smart Interface und App) war die elektronische Zahnbürste. Mein erster Gedanke als ich davon erfuhr: So ein Quatsch. Total über das Ziel hinausgeschossen. Das brauche ich nun wirklich nicht. Der damalige Marketing Manager der Bluetooth SIG sah das komplett anders. Er war Vater von kleinen Kindern. Mein zweiter Gedanke: Er hat Recht. Die digitale Zahnbürste unterstützt wirklich die Eltern beim allabendlichen Kampf um das Zähneputzen - indem es kontrolliert. Besser: Indem es motiviert. Noch besser: Indem es Spaß macht. Emotionalisierung ist ein wichtiger Benefit der Digitalisierung. Digitalisierung sollte cool sein. Mehr noch. Der McDonald Slogan "i`m lovin`it." sollte für jeden Produktentwickler das Ziel sein. Interessant ist auch wie der Bild Journalist Sven Schirmer im September 2014 das neue Produkt beurteilte und wie heute das Produkt vom Hersteller vermarktet wird.

 

Remote Control ist ein starkes Benefit bei den Smart Home Anwendungen: Heizung, Rolläden und Licht von unterwegs steuern. Nach Herstellerangaben lassen sich damit deutlich die Heizkosten reduzieren und der Komfort steigern. Aber auch der beliebte TeamViewer, mit dem man andere Computer fernsteuern kann, ist dafür ein gutes Beispiel.

 

Im Folgenden werden eine Reihe von Beispielen erfolgreicher Digitalisierungen aufgezählt. Sie stammen aus dem Buch "Digitale Disruption - Die nächste Stufe der Innovation" von Dr. Jens-Uwe Meyer, erschienen in der 1. Auflage 2016 , BusinessVillage GmbH, Göttingen. Er ist laut manager magazin "Einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum". Auf dieser Website wurden noch die Links zu den Webseiten der Beispiele ergänzt.

 

Durch die Industriealisierung wurden einfache körperliche Tätigkeiten ersetzt. Die Digitalisierung - insbesondere die künstliche Intelligenz - ersetzt einfache geistige Tätigkeiten. Unter Competence Digitalization versteht man die Digitalisierung fachlicher Kompetenzen von Medizinern, Rechtsanwälten Steuerberatern, Unternehmensberatern und anderen Experten. 

 

Bei Medizinern kann es noch mit der Nutzung von Sensoren, Kameras und Remote Control Systemen verbunden werden. Damit lassen sich komplett neue Geschäftsmodelle erstellen. Plötzlich ist eine "erste Diagnose" innerhalb von wenigen Minuten zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich. So ermöglicht das deutsche Unternehmen Preventicus aus Jena eine Einschätzung der Gesundheit in den Bereichen Herz, Kreislauf sowie psychisches Wohlbefinden. Dazu müssen Sie nur die Kameralinse Ihres Smartphones auf der Fingerkuppe platzieren. Über einige Minuten wird Ihre Pulskurve aufgezeichnet und mittels Algorithmen analysiert.

 

Bei den Rechtsanwälten gibt es ebenfalls erste digitale Angebote: 123recht.net, Advocado.de, jurato.de und smartlaw.de. Bei einfachen Aufgaben kann man sich heute schon per App - wie z.B. Unfallhelden.de oder Bahn-Buddy.de - unterstützen lassen. Einen Schritt weiter geht lexalgo. Deren Ziel lautet: "Automating the law". Auf deren Internetseite heißt es weiter: " Lexalgo formalisiert die Arbeit von Experten und modelliert Fach-Know-how. Unsere Software kann juristische und weitere regelbasierte Prüfungen teil-automatisieren und überall dort, wo juristische Sachverhalte bisher mit großem personellem Einsatz erfasst und bearbeitet werden müssen, Komplexität und Aufwand reduzieren. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Insbesondere bei häufig auftretenden, ähnlichen Fällen oder bei großen Datenmengen spart der Einsatz von Lexalgo-Modulen Ressourcen und beschleunigt Entscheidungen." Anstelle eines Anwalts prüft geblitzt.de kostenlos Bußgeldbescheide wegen Geschwindigkeitsüberschreitung. Ein Algorithmus teilt einem mit ob ein Einspruch Aussichten auf Erfolg hat oder nicht. Im positiven Fall kann somit automatisiert ein Mandant gewonnen werden. Die Effizienz des Anwalts steigt dadurch und gleichzeitig werden unnötige Ausgaben für Mandanten vermieden. Und wer das Recht - zumindest teilweise - automatisieren kann, kann auch andere Bereiche automatisieren.

 

Unternehmensberater mit PowerPoint Präsentationen sind leicht zu digitalisieren. Unternehmensberater mit Erfahrung und Machereigenschaften, die die Mitarbeiter motivieren und begeistern können sind gefragt.

 

Crowdification beruht immer auf eine große Gemeinschaft, die zusammen eine Idee realisiert. Das freie und kostenlos zugängliche Internetlexikon Wikipedia, die Bildarchive fotolia, iStock und pixabay, die Software-Entwicklungsplattform Github sowie die Open Source Software insgesamt, das Social Science Research Network SSRN, die 3D-Printer Druckvorlagen Datenbank Thingiverse sowie die Finanzierungsportale Kickstarter und Indiegogo. Das Prinzip ist immer gleich. Viele stellen den Content, die Bilder, den Code, die Konstruktionen oder das Geld zur Verfügung - kostenlos oder gegen Bezahlung. Viele nutzen es - ebenfalls kostenlos oder gegen Bezahlung. Das ganze steht auf einem kommerziellen oder nicht-kommerziellen Fundament. Aber auch im Transportbereich findet Crowdification prominente Anwendung. Uber transportiert Personen. Packator transportiert Packete. Die Nutzung von bisher ungenutzten Transportkapazitäten wird die Logistik in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen. Vermittler von Mitfahrgelegenheiten wie BlaBlaCar oder ADAC-Mitfahrclub beschäftigt das heute schon.

 

Die Automization wird besonders in der Landwirtschaft weiter vorangetrieben. In der Presse wird mehr über selbstfahrende Busse, Bahnen und Autos geschrieben. Aber selbstfahrende Traktoren und Mähdrescher sind viel schneller realisierbar. Es wird der Tag kommen, da wird die Ernte eingeholt, ohne daß der Bauer auf dem Feld war. Eigentlich ist es jetzt schon keine technische Herausforderung mehr - sondern nur noch eine juristische.

 

Pay per use ist nun wirklich kein neuer Benefit. Früher hieß es "Mieten statt Kaufen". Heute macht man daraus "Nutzen statt kaufen". Am Beispiel Fahrrad bzw. Auto kann man aber trotzdem gut den Unterschied zu früher verdeutlichen. Es ist einfacher geworden ein Fahrrad / Auto zu mieten. Somit steht eher der Nutzen Simplification durch Automization im Vordergrund. In den größeren Städten stehen sie an fast jeder Ecke rum. Identifizieren - Einsteigen - Losfahren - Ankommen - Aussteigen - Fertig. Der Vermietprozess wurde weitestgehend automatisiert. Damit geht aber auch der Benefit Cost Reduction einher. Parallel hat bei einigen gesellschaftlichen Gruppen der Besitz eines Autos nicht mehr den Stellenwert wie vor Jahren. Andere können oder wollen sich kein Auto mehr leisten. Daraus entwickelt sich eine digitale Disruption - aus Prozessoptimierung und gesellschaftlichen Veränderungen. Daraus entwickeln sich neue Player am Markt. Nextbike hat eine Vermiet-Infrastruktur und die Vermiet-Fahrräder entwickelt und produziert, die sie in über 18 Ländern vermieten. BMW hat inzwischen in vielen großen Städten sein Carsharing-Konzept DriveNow realisiert, genauso wie Daimler das Car2Go. Audi unite ermöglicht die geteilte Nutzung eines Audis - mit dem Nachbarn oder dem Arbeitgeber. Ähnliche Digitalisierungsprozesse gibt es natürlich inzwischen mit anderen Produkten. WeWash ist ein Beispiel für Waschmaschinen. Coworking.de für Arbeitsplätze. Klickrent.de für Baumaschinen. Store|me für Lagerflächen. Ampido für Parkplätze.

 

Individualization (oder auch "Losgröße Eins" bzw. "Zielgruppe Eins" genannt) passt das Produkt dem Kunden an. Das kann ganz einfach durch Anbringen der Initialien am Hemdkragen sein oder durch eine Maßanfertigung des gesamten Hemdes inklusive Material- und Farbauswahl. Auch hier muß der gesamte Prozess von der Bestellung bis zur Auslieferung automatisiert werden - damit Kosten, Lieferzeit und Qualität optimiert sind. Das Schweizer Unternehmen Orthema vermisst Füße. 500 Messtifte erstellen ein individuelles Fußprofil. Daraus lassen sich individuelle Einlagen, Schuhe oder Therapien anfertigen.

 

Aber auch bei den Medien schreitet die Individualisierung nun voran. Video-On-Demand gibt es schon über 20 Jahre. Aber erst jetzt kommt mit dem schnellen Internet sowie Netflix, Amazon Prime und Maxdome richtig Bewegung in die Video Streaming Branche. Videos schauen wann man will - ist dabei der klar kommunizierbare Nutzen. Den Siegeszug von Youtube sollte man in dem Zusammenhang nicht vergessen. Im Fernsehen gab es bereits Berichte über Menschen, die Youtube süchtig waren. Finanziert wird alles über Werbung. Eine werbefreie Variante von Youtube wurde bereits angkündigt. Youtube Red finanziert sich dann über monatliche Gebühren.

 

Damit sind wir schon fast beim Fernsehen und einem Benefit, welches ich persönlich sehr häufig nutze: Parallelization. Das ZDF hat den Nutzen der neuen ZDF Mediathek für seine Zuschauer sehr schön in einem kleinen Spot verdeutlicht. Beim abendlichen Fernsehen, kann man nicht nur eine Sendung sehen sondern man hat eine Auswahl an mehreren bereits gesendeten (und evtl.verpassten) Sendungen.

 

Aber auch das Radio wird individualisiert - von Capsule.fm. Auf deren Webseite liest man: " The radio from the future - made by robots just for you. Capsule.fm mixes your favourite music, news, podcasts, and social media into an ever changing audio stream. Our charming robots keep you informed and make your day more fun. It’s like having a smart, trustworthy companion who is always with you – your very own sidekick."

 

Fernsehen, Radio und Zeitung werden sich weiterhin dramatisch verändern - individueller, schneller und multimedialer. In einer Welt, die von Informationen überflutet wird, wird die entscheidende Frage sein: Für welchen Benefit ist jemand bereit, die Arbeit des Journalisten angemessen zu bezahlen?

 

Predictive Analytics bedeutet, daß Sie etwas über Ihren Kunden wissen bevor er es weiß. Kommt ein Problem auf ihn zu, können Sie für ihn rechtzeitig eine Lösung vorbereiten. Wenn dem Kunden das Problem dann bewußt wird, können Sie ihm bereits die optimale Lösung anbieten. Die Herausforderung liegt darin, aus Kundenverhalten Algorithmen zu generieren - oder besser noch ein selbst lernendes System zu erstellen. Kombiniert mit einem Avatar wäre das z.B. der perfekte Verkäufer.

 

In diesem Zusammenhang wird sich auch ein weiterer Wandel vollziehen: Vom Hersteller zum Dienstleister. Die Kundenbedürfnisse ändern sich immer schneller. Es wird immer wichtiger, die geänderten Kundenbedürfnisse zu erkennen und darauf zu reagieren. Beispiel Auto: Früher ist man damit zur Arbeit, zum Einkaufen, in`s Wochenende und in den Urlaub gefahren. Das Auto ist man teilweise ein ganzes Autoleben gefahren. Heute hat man ein Home Office oder ist mit der U-Bahn schneller im Büro, in wenigen Jahren wird man sich den Wocheneinkauf liefern lassen, am Wochenende macht man eine Fahrradtour und in den Urlaub fliegt man. Und wenn man doch mal ein Auto braucht, dann mal ein Stadtflitzer, mal ein Cabrio, mal ein Transporter, mal einen Bus und mal einen Camper. Und dafür braucht man einen Dienstleister, der das zur Verfügung stellt. Die Automobilindustrie stellt sich auf diesen Wandel ein, indem sie sich immer mehr von einem Automobilhersteller zu einem Mobilitätsdienstleister entwickelt.

 

Wie Predictive Analytics im Bereich Mobilität bereits angewendet wird zeigt der Fahrradverleih-Service Capital Bikeshare in Washington D.C. Anhand von 29 Faktoren, wie Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Nutzer im Umfeld der Stationen und Vergangenheitsdaten, sorgen Transportfahrzeuge permanent für die optimale Verteilung der Fahrräder. Damit sie immer schon dort sind, bevor der Kunde sie genau an dem Ort braucht.

 

Das Customer Interface ist die Hauptangriffsfläche für digitale Disruptionen. Zentralisierung, Optimierung und Transparenz während der Customer Journey stehen dabei im Vordergrund. Besonders anfällig sind dabei fragmentierte Märkte mit überwiegend kleinen und mittleren lokalen Playern. Einen ganz besonders simplen Benefit bieten die Vergleichsportale wie Check24 und Verivox mit der versprochenen Cost Reduction. Und was für Versicherungen funktioniert, funktioniert auch für andere Produkte wie Kredite, Handytarife uvm. Und schon checkt der Kunde alles bei einem. Und damit sind wir beim nächsten Benefit: All from one. Zalando geht noch einen Schritt weiter. Es will ein "Betriebssystem für Mode" sein. Mit dieser Plattformstrategie will das Unternehmen zum wichtigsten Verbündeten für Marken und Handelspartner werden. Somit bekommt der Kunde alles bei Zalando und die Partner bekommen ein Schaufenster im großen Zalando Shopping Center. Letztendlich bringt Zalando dann "nur" noch Käufer und Verkäufer zusammen. Dafür stellt es den Customer Interface in Form eines elektronischen Schaufensters und Datenanalysen zur Verfügung. Mehr noch. Zalando wird zum Customer Interface. Für die Kontrolle dieser Schnittstelle erhält das Unternehemen Provisionen. Schlanker geht es dann nicht mehr. Das ist dann die perfekte digitale Disruption - die automatisierte Kontrolle einer wichtigen Handelsschnittstelle.

 

Efficiency increase ist auch kein neuer Benefit. Aber neue Möglichkeiten bei der Automatisierung von Prozessen zwischen mehreren Projektpartnern - egal wo sie sich gerade aufhalten - lassen nun ganz neue Effizienzsteigerungen zu. RelayR ermöglicht es sehr effizient, effizient zusammen zu arbeiten. Die internen Prozesse bei den einzelnen Projektpartner sind in der Regel bereits stark optimiert. Das Problem ist die Abstimmung zwischen (neuen) Projektpartnern. Hier liegt noch ein hohes Maß an Einsparpotential. Das ist der Antrieb vor allem für Industrie 4.0 / Smart Factory. Aber auch auf dem Bau gibt es noch erhebliches Potential für Effizienz- und Qualitätssteigerungen - wie jeder sofort nachvollziehen kann, der schon mal ein Haus gebaut hat. Vorbild ist die Automobilindustrie.

 

Es leben immer mehr Menschen auf der Erde. Die zur Verfügung stehenden Agrarflächen bleiben dagegen konstant. Um die Menschen trotzdem zu ernähren, braucht es eine entsprechende Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft - auch durch die Digitalisierung. Das betrifft vorallem das Säen und Ernten. Die Firma Agrobot entwickelt dafür entsprechende Roboter. Landwirte gehören heute zu den Pionieren der Digitalisierung.

 

Cost Reduction taucht nahezu überall auf als Benefit der weiteren Digitalisierung. Autonomes Fahren - insbesondere beim Lieferverkehr, bei Bussen, Bahnen und Taxen kann bis zu 90 % der Personalkosten einsparen. Oder der Einsatz von Paket-Drohnen ersetzt den bisherigen Paketdienst. Natürlich ist Cost Reduction auch bei den Finanzdienstleistern ein wichtiges Thema. So entzieht Ethereum ihnen sogar die fundamentale Geschäftsgrundlage. Ethereum schließt Zahlungen und Verträge rechtssicher ab - ohne Bank und ohne Notar. Der Trick: Der Zahlungsbeleg bzw. der Vertrag wird auf Millionen Rechnern - und somit manipulationssicher - hinterlegt. Das spart Bank- und Notargebühren - aber vorallem werden weitere Prozesse durchgehend digitalisierbar und somit deutlich effizienter und kostengünstiger.

 

Wie stark die hier beschriebenen Digitalisierung Benefits bereits zur Selbstverständlichkeit geworden sind, beschreibt Dr. Jens-Uwe Meyer sehr gut in dem Kapitel Digital Lifestyle:

 

"Wenn jeder E-Commerce-Shop mir innerhalb von Sekunden eine Bestätigung schickt und die Ware ausliefert, warum braucht der Hersteller elektrischer Garagentore dafür fünf Tage?"

 

"Die Ferienwohnung ist nicht direkt online buchbar? Dann ist bestimmt die ganze Ferienwohnung schlecht."

 

"Mir gefällt das Design der Website nicht? Ich bin weg. Auf Nimmerwiedersehen!"

 

"Das digitale Serviceangebot eines Unternehmens wird stets mit dem Klassenbesten im Internet verglichen. Wird mein Auto in der Werkstatt bereits repariert? Warum erfahre ich nichts? Bei DHL kann ich den Status meiner Lieferung abfragen. Warum steht in der Kunden-App nicht: "In Bearbeitung bei Meister Neumann. Voraussichtliches Ende der Reparatur in 47 Minuten.""

 

"Was lesen Sie lieber? Den schnellen, automatisiert geschriebenen Fußballbericht - 25 Sekunden nach Ende des Spiels? Oder warten Sie eine Stunde auf den liebevoll ausgefeilten Reporterbericht, der mit Herzblut und Liebe verfasst wurde?"

 

"Rufen Sie bei drei Möbelspeditionen an, nehmen einen halben Tag Urlaub und lassen die Mitarbeiter der Spedition in Ihre Wohnung, weil Sie die lokale Wirtschaft unterstützen möchten? Weil Sie Verständnis dafür haben, daß das Unternehmen das noch nicht digital abwickelt? Oder geben Sie movinga.de ein und haben nach zwei Minuten ein Angebot?"

 

"Warum sollten Ihre Kunden mit Ihnen gnädiger sein, als sie es online mit anderen Unternehmen sind?"

 

Zu dem Digital Lifestyle passen auch eine Reihe von den FinTechs ganz gut. Spätestens seit der Bankenkrise und den nicht ganz unumstrittenen Geschäftsgebahren einiger Banken ist das Image einiger Geldinstitute mehr als nur angekratzt. Da sind einige nicht traurig, wenn sie keine Bankfiliale mehr betreten müssen und alle Geldtransaktionen vom Smartphone aus machen können. N26 ist ein gutes Beispiel dafür. Selbst zum bar bezahlen von Rechnungen oder Online einkäufen braucht man keine Bank mehr. Die barzahlen.de App und eine Supermarktkasse können die Bank in dem Fall ersetzen. Sogar das bar einzahlen auf das Girokonto und das Bargeld abheben vom Girokonto funktionieren auf diesem Weg bereits. Barzahlen.de zeigt sehr anschaulich, wie eine kleine Infrastrukturergänzung in einem Bereich eine komplette Infrastruktur in einem anderen Bereich in Frage stellen kann. Für Kredite stehen digitale Kreditvermittler wie Funding Circle oder Lendico.de zur Verfügung. Sie vermitteln private Kreditnehmer mit privaten Kreditgebern. Selbst für die Vermögensberatung gibt es erste digitale Angebote wie z.B. quirion oder Wikifolio.

 

Nun haben Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten Benefits der Digitalisierung erhalten. Diskutieren und bewerten Sie die Bedeutung der einzelnen Benefits für Ihre Branche. Und gehen Sie dann zum Kapitel "Strategies".

 

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