Digitalisierung durch Unternehmen - was müssen bzw. können wir tun?

Digitalisierung ist Innovation. Aber Digitalisierung ist nicht gleich Digitalisierung und Innovation ist nicht gleich Innovation. Was für ein Innovationstyp ist Ihr Unternehmen? Diese Frage hat Dr Jens-Uwe Meyer in seinem Buch Digitale Disruption - Die nächste Stufe der Innovation, 1. Auflage 2016, BusinessVillage GmbH, Göttingen ausgiebig wissenschaftlich behandelt: "Der Innovationstyp eines Unternehmens entscheidet maßgeblich darüber, zu welchen Innovationen es fähig ist. Die nachfolgenden vier Beschreibungen helfen Ihnen, sich und Ihr Unternehmen einzuordnen.

 

Innovationstyp 1: Operative Innovatoren

In Ihrem Unternehmen wird viel über Innovation gesprochen - gemeint ist damit vor allem die Verbesserung operativer Abläufe und Prozesse. Sie sind weitgehend auf das Tagesgeschäft ausgerichtet, kreative Ideen werden nur insoweit akzeptiert, wie sie der Verbesserung des Bestehenden dienen. Visionäre, die Ihre Branche verändern wollen, haben es bei Ihnen eher schwer: Allzu große Veränderungen stehen bei Ihnen nicht im strategischen Fokus.

 

Haben Sie sich und Ihr Unternehmen wiedererkannt? Dann sind Sie ein operativer Innovator. Dieser Innovationstyp verfolgt keine ambitionierten visionären Ziele, sondern ist primär auf Effizienz ausgerichtet. Unternehmen mit einer solchen Innovationskultur sind vielfach sehr erfolgreich darin, ihr derzeitiges Geschäftsmodell zu sichern. Die Kehrseite dieser auf Effizienz ausgerichteten Unternehmen tritt zutage, wenn Innovationen vorangetrieben werden sollen. Operative Innovatoren tun sich häufig schon mit der Umsetzung geringer Innovationsgrade - wie beispielsweise der Entwicklung neuer Produkte - sehr schwer. Weitreichende Innovationen, die den Markt oder sogar ganze Branchen verändern, kommen nur in äußersten Ausnahmesituationen von diesem Innovationstyp.

 

Innovationstyp 2: Innovative Optimierer

Sie hören auf Ihre Kunden, entwickeln Ihre Produkte und Angebote beständig weiter, ab und zu überraschen Sie die Märkte mit neuen Dingen. Innovation wird bei Ihnen primär über Prozesse vorangetrieben. Ihr Innovationsmanagement hat die Aufgabe, den Erfolg der Innovationsprojekte durch festgeschriebene Kennzahlen zu kontrollieren. Sie sind fast schon ein Routine-Innovator.

 

Haben Sie sich und Ihr Unternehmen wiedererkannt? Dann sind Sie ein innovativer Optimierer. Dieser Innovationstyp ist vor allem auf die Adoption des Bestehenden ausgerichtet: neue Produktmerkmale, die Erweiterung der Produktlinien, die Erfüllung neuer konkreter Kundenanforderungen. Innovative Optimierer verfügen häufig über ein breites Angebotsportfolio, das aus vielen Varianten eines Ursprungsprodukts beziehungsweise einer ursprünglichen Kernkompetenz besteht. Durch die beständige Optimierung haben diese Unternehmen häufig eine sehr hohe Qualität und eine entsprechende Marktposition erreicht. Die Kehrseite: Die Philosophie des innovativen Optimierens ist häufig so sehr im Unternehmen verankert, dass kaum oder nur sehr wenig nach Alternativen zum Bestehenden gesucht wird. Die Herausforderungen für innovative Optimierer bestehen einerseits in der Steigerung der Innovationseffizienz und damit Geschwindigkeit, andererseits im Management höherer Innovationsgrade. Darauf ist die Kultur häufig nicht ausgerichtet.

 

Innovationstyp 3: Strategischer Innovator

Ihr Top-Management hat ein strategisches Innovationsziel definiert, das durch klare Vorgaben von oben erreicht werden soll. Fachübergreifende Innovationsteams werden gegründet, ambitionierte Projektpläne geschrieben und mutige Deadlines definiert. Ihr Wertesystem ist nicht auf den Erhalt des Bestehenden, sondern auf die Entdeckung des Neuen ausgerichtet: Auch mutige kreative Ideen werden wertgeschätzt. Vorgesetzte sehen ihre Hauptrolle darin, Innovationsbarrieren aus dem Weg zu räumen, innerhalb des Unternehmens haben sich zahlreiche informelle Netzwerke gebildet.

 

Erkennen Sie Ihr Unternehmen wieder? Dann sind Sie ein strategischer Innovator. Dieser Innovationstyp ist beispielsweise eine neu gegründete Business-Unit, die mit einer neuen Dienstleistung ein verändertes Geschäftsmodell umsetzen soll. Oder ein mittelständisches Unternehmen, das seine Entwicklungen stark vorantreibt. Strategische Innovatoren sind stark durch Hierachien getrieben: Innovation stammt häufig top-down vom Management und wird durch Führungskräfte und Mitarbeiter umgesetzt. Die Kehrseite: Strategische Innovatoren sind sehr erfolgreich, solange sie sich in stabile sicheren Märkten bewegen. Ist das Marktumfeld durch zahlreiche neue Mitbewerber und eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit geprägt, sind strategische Innovatoren mitunter zu langsam. Genau das passiert in den Märkten, in denen digitale Disruptoren angreifen. Zudem besteht immer die Gefahr, daß das oberste Management falsche strategische Vorgaben macht. Im Gegensatz zu proaktiven Innovatoren fällt es strategischen Innovatoren schwer, eine einmal eingeschlagene Richtung zu ändern.

 

Innovationstyp 4: Proaktive Innovatoren

Bei Ihnen dreht sich alles um Innovation. Mitarbeiter haben viele Ideen und starten zahlreiche Projekte selbst. Innerhalb des Unternehmens wird aktiv für diese Projekte geworben, es bilden sich Netzwerke um Innovatoren herum, die diese unterstützen. Fehlschläge werden nicht wirklich als Fehlschläge betrachtet, solange es das Ziel ist, daraus neues Wissen zu generieren. Es gilt, eine große Vision zu erreichen. Die Konzentration auf kleinteilige Fehler wirkt dabei nur störend. Auch Führungskräften kommt eine ganz besondere Rolle zu: Ihre Hauptaufgabe besteht darin, kreative Ideen zu fördern und ihre Entwicklung aktiv voranzutreiben.

 

Haben Sie sich und Ihr Unternehmen wiedererkannt? Dann sind Sie ein proaktiver Innovator. Diese Unternehmen beziehungsweise Unternehmenseinheiten sind darauf ausgerichtet, möglichst weitreichende Innovationen zu entwickeln und erfolgreich in die Märkte zu bringen. Sie sind kompromisslos dem Neuen verschrieben. Diese Unternehmenskultur ist die, in der disruptive digitale Innovationen umgesetzt werden.

 

Welche Innvationskultur brauchen Unternehmen, die den digitalen Wandel erfolgreich gestalten wollen? Beide: Eine auf die Weiterentwicklung des bestehenden Geschäfts ausgerichtete Kultur. Parallel dazu Geschäftseinheiten, die die Merkmale proaktiver Innovatoren aufweisen. Mitunter führt es dazu, dass eine Geschäftseinheit damit beauftragt ist, ein bestehendes Geschäftsmodell zu erhalten. Die andere tut alles, um genau dieses Geschäftsmodell zu zerstören. Es entstehen Strategien, die schizophren anmuten.

 

Die Analyse der Rahmenbedingungen, innerhalb derer Innovation umgesetzt wird, ist häufig wirksamer als die Optimierung von Innovationsprozessen oder die Einführung neuer Methoden. Sie hilft Unternehmen, teure Fehlinvestitionen zu vermeiden, weil die angestrebten Innovationsziele und die Innovationskultur nicht zusammenpassen. Mehr Informationen über die vier Innovationstypen, den praktischen und wissenschaftlichen Hintergrund sowie eine kostenlose Analyse des eigenen Innovationstypus erhalten Sie auf der Website www.innovationsfaehigkeit,de."

 

Nun wissen Sie welcher Innovationstyp Ihr Unternehmen ist und zu welchen Innovationen Ihr Unternehmen aktuell in der Lage ist. Somit wissen Sie auch welchen Handlungsspielraum Sie bei der Wahl der Digitalisierung Strategie haben. Sollten Sie allerdings damit nicht zufrieden sein und zu der Erkenntnis gelangen: Unser Unternehmen muß innovativer werden wird wahrscheinlich die folgende Frage nicht lange auf sich warten lassen: 

 

Wer hilft uns dabei? Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, die sich aber auch Dr. Jens-Uwe Meyer angenommen hat: "Ich habe im Laufe der letzten zehn Jahre so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt, die Innovationsprojekte vorangetrieben haben, dass es beinahe unmöglich ist, ein einheitliches Profil zu erstellen. Trotzdem lassen sich einige gemeinsame Merkmale finden: Innovatoren haben ein Gespür für Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten. Sie legen den Finger dort in die Wunde, wo sich andere mit dem Status quo bereits abgefunden haben. Sie stellen das Bestehende gerne infrage, es ist fast ein Hobby. Sie entwickeln Ideen, um Probleme zu lösen. Sie kapitulieren nicht vor dem Bestehenden, sie wollen die besseren Lösungen erfinden. Mehr noch: Konzepte genügen ihnen nicht. Sie wollen das Neue entwickeln, ausprobieren und es schließlich umsetzen. Häufig fangen sie Projekte aus eigenem Antrieb heraus an. Ihr Prinzip: Lieber um Verzeihung bitten als um Genehmigung."

 

Wo findet man die Innovatoren? Geboren werden sie überall. Wenn sie jedoch ihren Geburtsort verlassen, dann eher in die Stadt als auf`s Land. Dort gibt es eben mehr Möglichkeiten zum Studieren, zum Ausgehen, zum ... Und sind sie erst einmal von zuhause weg, kommen sie meistens auch nicht wieder. Somit ist der Ort für die weitere Digitalisierung von strategischer Bedeutung. Um es ganz deutlich zu machen: Die weitere Digitalisierung eines Unternehmens im ländlichen Raum hat wenig Aussichten auf Erfolg. Sie müssen diesen Bereich dort hin verlagern, wo es auch die Mitarbeiter dafür gibt.

 

Und was braucht man noch dazu? Zeit ist wichtiger als Geld. Zeit ist vorallem in Form von rechtzeitig wichtig. Nur wer rechtzeitig mit einer Entwicklung beginnt, kann ein qualitativ hochwertiges Produkt auch rechtzeitig auf den Markt bringen. Alles andere zwingt einen früher oder später zu "Pest-oder-Cholera-Entscheidungen". Prinzipiell hilft Geld natürlich, um ein Projekt zu realisieren. Wenig Geld zwingt zu Fokussierung auf das Wesentliche und zu Kreativität. Und das ist nicht immer das Schlechteste.

 

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