Die Erfahrungen zur Digitalisierung - welcher Weg führte zum Ziel ?

Die Digitalisierung hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt - sowohl in Form der digitalen Transformation als auch in Form der digitalen Disruption. Einige haben spektakulär Ihre Angriffsziele erreicht und teilweise weit übertroffen. Viele sind aber auch unterwegs in Sackgassen und anschließend auf dem Innovationsfriedhof gelandet. Die Digitalisierung hat schon etwas von einem Labyrinth. Nun gilt es, von den erfolgreichen und den erfolglosen Digitalisierern zu lernen. Welcher Weg führte zum Ziel und welcher nicht ?

 

Für viele Nicht-Digitalisierer kam die Entwicklung sehr überraschend. Militärisch würde man von einem Überraschungsangriff sprechen. Dementsprechend waren oft auch die Reaktionen von Unternehmen, die von Digitalisierern angegriffen wurden. Planlos. Verängstigt. Überfordert. Das muß nun zunächst aufgearbeitet werden, um möglichst schnell daraus für die Zukunft zu lernen.

 

Genau zu dieser Zeit haben Dr Carsten Hentrich und Michael Pachmajer Unternehmen beim Schritt in das digitale Zeitalter begleitet. Ihre Erfahrungen sind an dieser Stelle sehr hilfreich. Die Beiden sind heute Direktoren im Consulting bei PwC. Dort verantworten sie im Kundensegment Familienunternehmen und Mittelstand den Beratungsschwerpunkt Digitale Transformation. Ihre Erfahrungen haben sie in ein gemeinsames Buch mit dem Titel "d.quarks - Der Weg zum digitalen Unternehmen", 2016, Murmann Publishers GmbH, Hamburg einfließen lassen. Aus diesem Buch stammen auch die folgenden Zitate:

 

"Wir kennen die Ängste vor dem digitalen Wandel, wir wissen um den vermeintlichen Kontrollverlust, den viele CEOs und Inhaberinnen und Inhaber mit dem digitalen Wandel verbinden - und wir erleben, wie zögerlich sich viele gerade auch mittelständische Firmen in Deutschland der digitalen Transformation nähern. Es sind Firmen, die sehr erfolgreich Nischen besetzen, häufig Weltmarktführer sind, und heute vor einer neuen Situation stehen. Sie wollen die Tradition der oft in Familienbesitz befindlichen Unternehmen weiterführen und wissen, dass das nicht möglich sein wird, wenn sie sich der Digitalisierung verschließen. Doch sie erkennen nicht, wie und mit welcher Methodik dem digitalen Wandel begegnet werden soll. Dabei fehlt es nicht an Ideen. Ganz im Gegenteil. Viele Unternehmen haben Ideen für digitale Geschäftsmodelle, wissen aber häufig nicht, wie sie diese umsetzen können, welche Fähigkeiten sie brauchen - und wie sehr sie und ihr Unternehmen sich verändern müssen, um diese Ideen zu realisieren. Denn Digitalisierung bedeutet Veränderung. Und Veränderung löst Ängste und Unruhe aus."

 

"Neben der Furcht vor der Veränderung gibt es noch andere Gründe: Den Unternehmen fehlt ein Navi für den digitalen Wandel, ein Wegweiser. Ihnen fehlen ein Transformationsplan für den Umbau und eine Architektur für die Neugestaltung des Unternehmens und eben oft auch der Mut, einfach anzufangen."

 

"Viele der von uns betreuten Unternehmen wissen nicht, wie man heute eine sichere Entscheidung trifft. Sie fragen: Auf Basis von was sollen wir entscheiden? Gibt es nicht irgendeine Garantie? Gibt es keinen, der sagen kann, was die richtige Entscheidung ist? Dieses zögern basiert nicht auf Unwissen. Ganz im Gegenteil. Über digitale Themen haben sich die meisten intensiv informiert, haben sich alle eine Meinung gebildet und auch eingelesen. Das Wissen ist enorm, wir staunen da manchmal selbst. Sie wissen über Industrie 4.0, über 3-D-Druck, über Drohnen und soziale Netzwerke - nur was man genau damit macht, das scheint ein Rätsel."

 

"Hier zeigt sich eine Überforderung. Wie verändert die Digitalisierung mein Geschäftsmodell? Wo sollen wir ansetzen? Welche Fähigkeiten müssen wir zukünftig entwickeln? Was müssen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig können? Was ist der erste Schritt? Was müssen wir überhaupt machen? Wie beginnen wir nachhaltig den Veränderungsprozess bei uns? Und nach dem ersten Schritt, was ist der nächste Schritt und der übernächste Schritt?"

 

"Es gibt eben nicht mehr den einen Absatzmarkt in die jeweiligen Regionen, es gibt immer weniger "treue" Kunden - es gibt Plattformen im Netz, die sich nicht Ländern oder Weltregionen zuordnen lassen. Und das Bedrohliche dabei: Diese Plattformen, die Amazons und Alibabas, diktieren den Preis und halten die Kundenbeziehung - das wichtigste Gut. Obwohl sie im Grunde nichts mit der Branche zu schaffen haben, gehört ihnen der Kundenkontakt. Idee, Konzeption und Umsetzung eines Produktes interessieren sie gar nicht. Sie sind daran interessiert, alles über den Kunden zu erfahren, seine Interessen, sein Verhalten, seine Sehnsüchte. Und das nur aus einem Grund: um ihm personalisierte Services anzubieten. Sie verdrängen damit das Traditionsunternehmen ins zweite Glied."

 

"Neben dem strategischen Problem gab es aber auch ein kulturelles Problem. Es müssen Silos aufgebrochen werden, eingefahrene Prozeduren und Rituale abgeschafft werden, es müssen die bereits erwähnten "Fürstentümer" aufgebrochen werden. Um gegen aggressive Verkaufsportale bestehen zu können, müssen viele Menschen im Unternehmen viel Macht abgeben. Und das ist nicht einfach."

 

"Nicht wenige einstige Marktführer sind inzwischen Opfer ihrer eigenen Tradition geworden. Weil sie immer gesagt haben: " Das entspricht uns nicht!" Es sind Firmen, die zum einen die Digitalisierung nicht verstanden und zum anderen völlig unterschätzt haben, wie schnell sich neue Angebote durchsetzen - und die den Wandel höchstens schrittweise, aber eben nicht disruptiv verfolgt haben."

 

""Das macht bei uns die IT" - eine beliebte Antwort in deutschen Unternehmen, wenn es um die digitale Transformation geht. "Das macht bei uns die IT." Wenn es so einfach wäre. Der digitale Wandel ist aber keine Aufgabe, die sich quasi per Hauspost einer Abteilung zuordnen lässt. Ganz im Gegenteil. Der digitale Wandel braucht vor allem Mut, und der muss von ganz oben kommen."

 

"Es gibt allerdings ein Problem. Wie bekommt ein Unternehmen jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für einen Inkubator nötig sind, wie Data Scientists, Data Analysts, UX Designer/Developer, hoch spezialisierte IT-Fachkräfte, wenn deren erste Wahl nicht der Westerwald oder Ostwestphalen-Lippe ist? Die meisten dieser Fachleute zieht es in die Metropolen, ländliche Regionen sind nicht die Präferenz, obwohl genau dort viele der erfolgreichen deutschen Familienbetriebe ihren Sitz haben."

 

"Außerdem sind die begehrten Digital-Virtuosen recht kostspielig, ein Einstiegsgehalt für einen IT-Spezialisten oder Mathematiker liegt schnell bei 100.000 Euro. Das ist nicht so leicht zu stemmen."

 

 

An dieser Stelle verlinken wir auf Erfahrungsberichte. Den Anfang macht das WIRED-Interview mit dem Thermomix-Designer Uwe Kemker.

 

 

 

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